Tag: Kultur

Fang an zu schwimmen – zu lesen!

Lesen ist ein großes Wunder, welches nicht Wertgeschätzt wird!

Ich persönlich lese sehr gerne und dies seit meiner Kindheit. Es Begann mit Comics, wie Dagobert und Donald Duck und mittlerweile habe ich mich auf Romane, Klassiker und türkische Gedichte gesteigert.

Ich finde, dass das Lesen eine Norm ist. Jeder Mensch sollte meiner Meinung nach mindestens ein Buch im Monat beenden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Zeitungsartikel handelt oder ob man Krimis, Romane oder Gedichte liest. Man sollte das lesen, wonach man Interesse hat.

Ich mag Bücher die mich stechen, aber über den Geschmack lässt es sich nicht streiten.

Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen – Franz Kafka

Viele versuchen die Romane durch ihre Verfilmungen zu ersetzen, welches mich sehr betrübt. Ich betrachte ein Buch als ein Ozean und den Film als ein Schwimmbad. Zu denjenigen, die versuchen Filme durch Bücher zu ersetzen:

„Kann man ein Ozean mit einem Schwimmbad ersetzen oder es gar vergleichen?“

Ein Simples Beispiel: In einem Buch werden uns einige Personenmerkmale erwähnt und demnach können wir unseren eigenen Charakter erstellen, so wie wir es wollen. Wir sind in der Lage den Protagonist und den Ort mit Details zu beschmücken. Im Film dagegen wird uns schon Vornherein diese Fähigkeit von uns genommen. Weder über die Person, noch über den Ort sind wir in der Lage uns Gedanken zu machen. Es gibt eben fundamentale Unterschiede zwischen einem Film und dem Film in unseren Kopf (Buch).

Kommen wir wieder zum lesen zurück!

Was hindert den Menschen daran zu lesen? Ich versuche es zu realisieren, doch komme auf kein Erkenntnis. Die Aussage, dass man keine Zeit habe akzeptiere ich nicht. Du bist gerade Online, also hättest du Zeit!
Ist es die Angst vor dem Ozean, die uns daran hindert zu schwimmen? Fürchten wir uns so sehr vor dem Unbekannten? Wovor schrecken wir uns so ab? Selbstverständlich ist ein Buch ein Neuland. Wir haben keine Ahnung was uns in dem Buch erwartet, ob es uns glücklich oder traurig macht, ob es uns zum kritischen Denken anleitet oder wir uns so sehr langweilen, dass wir nicht in der Lage sind weiter zu lesen? Aber woher sollen wir wissen, ob es für uns gut oder schlecht ist, wenn wir es nicht auskundschaften.

Wie ein Buch aufgebaut ist, ist jeden Bewusst. Das es aus einem Titel, einer Rückseite, aus mehreren Seiten und mit Wörtern beschmückt ist usw. Verbindet man die einzelnen Wörter miteinander ergibt es ein Sinn, eine Idee!

Man sagt uns, wir sollen der Idee gedenken und nicht des Mannes. Denn ein Mensch kann versagen. Er kann gefangen werden, er kann getötet werden. Aber 400 Jahre später kann eine Idee immer noch die Welt verändern. – V-Wie Vendetta

Was ist der Hauptgrund für unsere Desinteresse? Wir alle sind der Sprache mächtig! Sind wir mittlerweile so faul geworden? Ist jegliche Anstrengung der Gehirnstrapaze zu viel geworden? Willst du nicht wissen, welche Schätze in dem Ozean sich verstecken, welche Geheimnisse und welche Gefahren es in sich birgt, willst du es nicht entdecken?

Mich betrübt es, wenn ich daran denke, dass es so viele Menschen gibt, welches NICHT einen einizigen Buch im Leben gelesen haben.

Die Welt ist ein offenes Buch, öffne es und fang an zu leben – zu lesen

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.- Augustinus Aurelius

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Buch [07.10.2015]

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Ich bin ein Baum mit zwei Stämmen

Meine Großeltern sind als Gastarbeiter nach Deutschland eingereist und haben sich für ihre Kinder und Enkelkinder geopfert – ja sie haben sich allerdings geopfert. Sie haben weder die Sprache beherrscht, noch kannten sie die fremde Kultur. Doch sie kamen.. um zu arbeiten..  um zu leben!

Der bekannte Schriftsteller und Architekt Max Frisch brachte es auf den Punkt: „ Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen “ – das heißt, dass man sich nicht nur die Arbeitskraft eines Menschen ins Land holen kann, sondern auch seine Persönlichkeit, seine Bedürfnisse und seine Kultur.  (Spiegel.de – Gastarbeiter)

Es ist nun fast 3. Generationen her, dass unsere Großeltern eingewandert sind. Doch immer noch ist die Rede von Assimilation, Inklusion, Integration und Identitätsproblemen. Jeder weisst bescheid, dass man uns in Deutschland als „Ausländer“ sieht und in der Türkei als „almanci betitelt  was sowas bedeutet wie Deutschländer. Wir wären sozusagen weder 100% Deutsch, noch 100% Türkisch.

Viele „Deutsche“ wundern sich auch, dass die meisten Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund mittlerweile die Sprache gut beherrschen. Als ich mit einer etwas älteren Dame eine nette Konversation hatte, erwähnte sie: „Sie können aber gut deutsch„. Die Aussage hat mich leicht verwirrt und ich antwortete: „Warum auch nicht? Ich bin ja schließlich hier geboren„.

Beide Sprachen sind mir sehr wichtig und im Laufe des Erwachsenseins ist mir bewusst geworden, dass sowohl die türkische, als auch die deutsche Sprache bei mir eine wichtige Rollen haben. Die deutsche Sprache benutze ich oft, wenn ich wissenschaftliche Tätigkeiten nachgehe oder bei Formalien, doch wenn ich meine Emotionen ausdrücken will, gebrauche ich dafür die türkische Sprache. Vielleicht hängt das davon ab, weil die türkische Sprache affektiver aufgebaut ist als die deutsche Sprache oder vielleicht auch weil meine Mutter türkisch spricht und ich emotional an sie gebunden bin. Darauf habe ich leider keine richtige Antwort – gibt es überhaupt dafür eine richtige Antwort..?

Ich finde, dass man die Zweisprachigkeit generell nicht als ein Problem sehen soll, sondern als eine Bereicherung. Auch finde ich, dass man den Schülerinnen und Schülern nicht verbieten soll ihre eigene Muttersprache zu sprechen. Sowohl nicht in der Pause als auch nicht im Unterricht. Die Mehrsprachigkeit ist eine zarte Blume und Bedarf Fürsorge.  Es ist eine Fertigkeit, die individuelle Förderung benötigt.

Um meine Gefühlslage zu schildern fand ich dieses  Gedicht angemessen

Ich bin ein Baum mit zwei Stämmen

Ich bin ein Baum,
bin ein Baum mit zwei Stämmen.
Ja, ja: mit zwei Stämmen!
Das verstehst Du nicht?
Ich bin ein Baum
und habe nur eine Wurzel,
eine Wurzel dort, wo ich geboren bin.

Du willst, dass ich immer grün bleibe,
willst mich biegsam wie eine Weide
oder blühend wie eine Linde?
– Aber ich bin ein anderer Baum
und habe zwei Stämme.
Sie sind nicht gleich –
können nicht gleich sein.

Es ist schön und doch schwer,
zwei Seelen zu haben.
Du willst, dass ich eine wähle,
Nur eine Seele?
Aber schau dir diesen Baum an,
wie lebendig er ist, wie harmonisch!

Und nun stell dir vor,
ein Stamm würde abgeschnitten.
Wie verletzbar müsste er sein,
mein Baum.
Nein, ich möchte keinen Stamm verlieren,
ich will ich bleiben…
und weiterwalzen.

Denke nicht, ich stelle mich über die anderen.
Nein, ich bin ein Baum unter vielen;
nur ein wenig anders:

Eine Wurzel, ein Herz…
aber zwei Seelen. 

Maria Bender
Lu Sponheimer

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Baum mit zwei Stämmen [23.09.2015]